ANALGETIKA
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Vorwort: Die Klinik steht mit keiner pharmazeutischen Firma in vertraglicher Beziehung. Die Nennung von Präparaten, die mit ® gekennzeichnet sind, erfolgt also nicht in Werbeabsicht, sondern weil selbst bei Ärzten oft der Handelsname bekannter als der jeweilige Wirkstoff ist. Daß auch noch andere Arzneimittel mit dem gleichen Wirkstoff auf dem Markt sind, ergibt sich aus dem Zusatz "z.B.". Sollte sich eine Firma benachteiligt fühlen, weil ihr Mittel nicht erwähnt wird, so fügen wir dieses auf Wunsch gerne ein, E-Mail reicht aus!

Analgetika ist der medizinische Ausdruck für Sch merzmittel.

Analgetika können auch vorbeugend eingenommen werden, wenn Schmerzen erwartet werden, so etwa vor dem Ziehen eines Zahnes. Die örtliche Betäu bung des Zahnarztes klingt relativ schnell ab und dann kommen die Schmerzen. Wenn man z.B. kurz vor dem Ziehen des Zahnes ein sog. peripher wirkendes, also am Ort der Schmerz entstehung wirkendes Sch merzmittel einnimmt, so bilden sich erst gar nicht die Botenstoffe, die dann den Schmerz auslösen. Geeignet sind nichtsteroidale (= nicht kortisonhaltige) Antirheumatika (siehe unten). Theoretisch gilt dies auch für ASS (z.B. Aspirin®), aber dieses Mittel vermag die Blutungszeit zu verlängern, was in dieser Situation (Ziehen eines Zahnes) nicht besonders nützlich ist.

Analgetika bei bestehenden Schmerzen

Am Anfang des 3-Stufenschemas (Tab. 1.1) steht die Therapie mit nichtopioiden (= nicht Opium-ähnlichen), vorwiegend peripheren (= am Ort der Schmerz entstehung wirkenden) Analgetika.
Wenn dadurch keine zufriedenstellende Schmerzlinderung erreicht werden kann, ist zusätzlich ein schwach zentralwirksames Opioid
(= im Rücken mark /Gehirn wirkendes, Opium-ähnliches Schmerzmi ttel) indiziert.

Eine Kombination von peripher und zentral wirkenden Analgetika verbessert die Analgesiequalität (= schmerzlindernde Wirkung), da sich die Effekte aufgrund der unterschiedlichen Wirkprinzipien addieren. Bei ungenügender Wirksamkeit der schwachen O pioide müssen diese durch stark zentralwirkende Analgetika ersetzt werden.
Unter Einhaltung sorgfältiger Auswahlkriterien ist der Einsatz von Opioid
en (= Opium-ähnliche Analgetika) auch bei der Behandlung von chronischen Schmerzzuständen nicht-tumorbedingter Genese (= Ursache) wie z.B. schwere Schmerzen bei degenerativen Gelenkveränderungen wie auch Osteoporose, Deaffereunzierungsschmerz und postzosterische Schmerzen, neurogener-neuropathischer Schmerz oder zentraler Schmerz) gerechtfertigt (Portenoy et Foley 1986 und 1990, Sorge et al 1991, Zenz et al 1990).

Tabelle -1- WHO-Stufenschema für die Behandlung chronischer Schmerzen.

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In diesem Stufenschema ist auch die Möglichkeit einer adjuvanten (= Behandlung mit Begleitmedikamenten) Therapie mit Antiemetika (= Mittel gegen Übelkeit), Säureblocker, Laxanzien (= Abführmittel) oder mit sogenannten Koanalget ika ((Kortikosteroide, Antikonvulsiva (= Mittel gegen die Fallsucht, krampflösend), Myotonolytika (= Mittel zur Muskelentspannung), Psychopharmaka (= Mittel die auf die Psyche wirken)) berücksichtigt.
Erstere dienen der Vorbeugung oder Behandlung von unerwünschten Arzneimittelwirkungen, letztere werden in der medikamentösen Schmerztherapie ergänzend oder als alleinige Behandlungsstrategie eingesetzt.

Eine schmerzdistanzierende Medikation mit Antidepressiva (= Mittel gegen Depressionen) und / oder Neuroleptika (= Mittel gegen psychische Erkrankungen) ist regelmäßig in allen Stufen sinnvoll. Die affektiv (= die Gefühlsansprechbarkeit betreffende) distanzierende Wirkung führt zur Anhebung der Schmerzschwelle und entfaltet dadurch einen analgetischen (= schmerzstillenden), analgetikapotenzierenden (= Verstärkung des schmerzstillenden Effektes von gleichzeitig eingenommenen Analgetika) und analgetikasparenden Effekt.
Darüber hinaus lassen sich sekundär entstandene depressive Neigungen (aber auch primäre, schmerzunabhängige) meist günstig beeinflussen. Durch parenterale Applikation
(= nicht über Magen oder Darm zugeführte Verabreichung) (z.B. Infusionstherapie) wird ein rascherer Wirkungseintritt erzielt, eine Stimmungsaufhellung zeigt sich häufig schon nach wenigen Tagen.

Analgetika als Mischpräparate sollten wegen des erhöhten Risikos bei mißbräuchlicher Überdosierung (Abhängigkeit, allergische Reaktionen, Toxizität (= Giftigkeit) nicht gegeben werden. Primär sollte die Verwendung eines Monopräparats (= Arzneimittel mit nur einem Wirkstoff) angestrebt werden.

Kombinationen von Analgetika sind jedoch dann sinnvoll, wenn jeder Arzneistoff zur beabsichtigten analgetischen (= schmerzlindernden) Wirkung beiträgt oder die unerwünschten Wirkungen seines Kombinationspartners vermindert.

Mögliche Interaktionen (= Wechselwirkungen) sind bei den einzelnen Arzneistoffen unbedingt zu beachten. Die Einzelkomponenten müssen sich hinsichtlich Wirkungseintritt, Wirkungsdauer und Dosierungsintervall optimal ergänzen.

Als relativ unbedenklich ist eine Analgetika -Kombination von Paracetamol (z.B. ben-u-ron®) und Acetylsalicylsäure (z.B. Aspirin®) einzustufen, da keine wesentlichen Interaktionen zu befürchten sind und die Wirkungsdauer nahezu gleich ist (additive analgetische Wirkung). Als Analget ikum mit geringster sensibilisierender Potenz erlaubt der Zusatz von Paracetamol beispielsweise eine Einsparung des Acetylsalicylsäure-Anteils, der wiederum für eine Magenunverträglichkeit verantwortlich sein kann. Entsprechende Betrachtungen lassen sich natürlich auch für den anderen Kombinationspartner anstellen. Antiphlogistisch-antipyretisch (= entzündungs-/fieberhemmende) wirksame Analgetika (NSAIDs) sollten andererseits nicht miteinander kombiniert werden. Eine sinnvolle Kombination ist die Verordnung eines peripher angreifenden An algetikums mit einem zentral wirkenden Opioid (z.B. Paracetamol mit Codein oder Tramadol). Die Kombination von schwachen mit starken Opioid en ist kontraindiziert (= gegenangezeigt).

Tabelle -2- Analgetika in der allgemeinen Schmerztherapie

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1) Nichtopioide Analgetika

Nichtsaure antipyretische (= fiebersenkende) Analgetika:

Saure antiphlogistische (= entzündungshemmende) und antipyretische Analgetika (sog. nichtsteroidale Antirheumatika = NSAIDs ):

Nichtsteroidale Antirheumatika der neueren Generation, sog. COX-2 Inhibitoren, auch antiphlogistisch (= entzündungshemmend) wirkend, magenschonend:

Möglicherweise wird aber die ganze Gruppe wieder vom Markt genommen, da diese Analgetika, zumindest bei längerer Anwendung, das Herzinfakt- und Schlaganfallrisiko erhöhen.

Nichtopioide Analgetika ohne antiphlogistischen und antipyretischen Effekt:

2) Schwache, opioidhaltige Analgetika

Opiumalkaloide:

Synthetische O pioide:

3) Starke, opioidhaltige Analgetika

Opiumalkaloide:

Semisynthetische O pioide:

--------* Hydromorphon HCL hat den Vorteil, daß die Wirkung einer einmaligen Dosis 24 Stunden anhält.

Synthetische O pioide:

Mitterweile gibt es ein sog. Schmerzplaster, das mit einem Lokalanästhetikum getränkt ist Das postkartengroße, selbstklebende Hydrogelpflaster (Versatis®) enthält Lidocain und wird auf die schmerzende Stelle geklebt. Bis zu drei Pflaster dürfen gleichzeitig appliziert werden, auch das Zuschneiden auf eine passende Größe ist möglich. In den USA ist das Pflaster bereits seit 1999 auf dem Markt, nach europäischen Zulassungsstudien nun auch in Deutschland, und zwar mit der Indikation Postzosterische Neuralgie (Post-Zoster-Neuralgie).

Bei chronischen Schmerzen sollten Analgetika möglichst in retardierter Form (= mit verzögerter Wirkstofffreisetzung) und damit längerer Wirkzeit verabreicht werden.
Zur Vermeidung einer Abhängigkeit von potentiell suchterregenden Analgetika (Gruppe 2 und 3) sollte (muß) die Einnahme nach festem Zeitschema entsprechend der Wirkzeit des verwendete Schmerzm
ittels erfolgen.

Zur Bekämpfung unregelmäßiger und eher selten auftretender Durchbruchschmerz en (= Schmerzspitzen) kann zur Basismedikation (= Grundverordnung) bei Bedarf ein weiteres Schmerzm ittel gegeben werden.
Bei bereits auf retardiertes orales Morphin
(= morphiumhaltige Tabletten mit verzögerter Abgabe) eingestellten Patienten kommt dafür die schneller resorbierbare (= im Dar m aufnehmbare) wäßrige Morphin-Lösung in Betracht, die von jedem Apotheker hergestellt werden kann.
Ist der Patient auf Buprenorphin mit dem Schmerzpflaster (Transtec®) eingestellt, so kann bei
Durchbruchschmerzen zusätzlich die schnell resorbierbare (= Aufnahme in den Körper) sublinguale (= unter der Zun ge verabreichte) Form (z.B. Temgesic®) gegeben werden.
Wird die Basis-Therapie mit dem Schmerzpflaster Durogesic® (Fentanyl) durchgeführt, so können Durchbruchschmer
zen (= Schmerzspitzen) mit ACTIQ® abgefangen werden, diese Fentanyl-Darreichungsform wird mit Hilfe eines speziellen Applikators über die Wangenschleimhaut inkorporiert (= in den Körper/Organismus eingebracht).

Es gibt keine Analgetika ohne Nebenwirkungen!

Wenn abzusehen ist, daß ein Patient längerfristig auf Analgetika angewiesen ist, muß deshalb eine Analgetika -Austestung durchgeführt werden, um herauszufinden, welches Mittel bzw. welche Kombination in möglichst geringer Dosierung eine bestmögliche schmerzlindernde Wirkung zeigt. Optimal ist eine solche Analgetika-Testung natürlich unter stationären Bedingungen, da die infrage kommenden Analgetika ohnehin vorgehalten werden und eine zeitnahe Wirkungserfassung gewährleistet ist.

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Aktualisiert:>19.02.2008</> kusb&
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